|
Dithmarscher Landesdenkmal
Dusenddüwelswarf
Aus Anlaß der 400. Wiederkehr des Jahrestages der Schlacht bei Hemmingstedt 1900 wurde die Errichtung eines Denkmals auf der Dusenddüwelswarft zwischen Hemmingstedt und Epenwöhrden geplant. Anfänglich waren das Museum Dithmarsischer Altertümer, der Kreistag Süderdithmarschen, der Bürgerklug Wesselburen und ganz besonders der antisemitische Literaturwissenschaftler und Dithmarscher Patriot Adolf Bartels daran beteiligt. 1894 kam es infolge ihrer Anstöße zur Bildung des sogenannten Gesamtkomitees zur Errichtung eines Landesdenkmals auf der Dusenddüwelswarf, denen herausragende Persönlichkeiten der Kreise Norderdithmarschen und Süderdithmarschen angehörten. Vorsitzender wurde Johannes Goos, ehrenamtlicher Leiter des Museums Dithmarsischer Altertümer. In ihm fand das Vorhaben einen sehr engagierten Verfechter.
Die Verwendung des von Goos propagierten Findlingsblocks für das Denkmal war trotz einiger Gegenentwürfe figürlicher Natur nie ernsthaft in Frage gestellt. Die Gestaltung übernahm ehrenamtlich der Kieler Architekt Wilhelm Voigt, der zuvor unter anderem das heutige DithmarscherLandesmuseum in Meldorf gebaut hatte.
Voigt verzichtete konsequent auf jede figürliche Zutat und setzte ganz auf die Wirkung des kolossalen Steins, die er durch eine monumentale Präsentation, die sich am ehesten noch als Mischung aus Opferaltar und Hünengrab beschreiben lässt, zu steigern wusste.
Das größte Problem bei der Realisation des Denkmals waren die Kosten. Allein der Transport des Steins auf der ca. 12,5 Kilometer langen Strecke vom Barlter Kleve zur Dusenddüwelswarf war kostspielig. In Anbetracht der zu erwartenden finanziellen Belastung rief das Gesamtkomitee 1897 zu einer Haussammlung in beiden Teilen Dithmarschens auf. Der her bescheidene Ertrag deckte jedoch nur einen geringen Teil der Kosten. Insgesamt mussten knapp 20.000 Mark aus öffentlichen Mitteln aufgebracht werden, was etwa dem heutigen Wert von 250.000 €uro entspricht.
Im Vergleich mit anderen Denkmälern dieser Zeit – man denke zum Beispiel an das Kyffhäuser-Denkmal – fällt seine ungewöhnliche Gestaltung auf. Es ist, wie Johannes Goos anlässlich der Einweihungsfeier am 17. Februar 1900 formulierte: „...schlicht und einfach und doch wirkungsvoll, ein einfacher Stein – und doch ein gewaltiges Sinnbild der alles erdrückenden, alles zermalmenden Dithmarscher Volkskraft....“.
Hauptelement des aufwendigen Festprogramms anlässlich der Einweihungsfeier war der historische Umzug, der vom Meldorfer Marktplatz aus zur Dusenddüwelswarf und zurück führte. An ihm beteiligten sich fast alle Gemeinden der Region. Insgesamt nahmen etwa 3.000 Personen, die mehr als 100 Fahnen mit sich führten, an dem prächtigen Aufmarsch teil.
Aus heutiger Sicht hat sich der abgelegene, schon vor über 100 Jahren heftig umstrittene Standort des Denkmals sehr zu seinem Nachteil ausgewirkt, denn ganz offensichtlich ist das Denkmal in den letzten Jahrzehnten mehr und mehr – aber nicht allein deshalb – aus dem öffentlichen Bewusstsein gerückt. Letztlich war die Errichtung des Landesdenkmals eine zeitgebundene Erscheinung. Seine Erbauer verfolgten damals eine doppelte Absicht an die Schlacht zu erinnern
- die Dithmarscher von 1500 zukünftigen Generationen als Vorbild zu empfehlen.
- Der zentrale Denkmalsstein wurde dabei als Symbol für die Kampfkraft und Freiheitsliebe der Dithmarscher einst und jetzt interpretiert. Von diesen beiden Zielsetzungen kann in der Gegenwart nur die erste mit getragen werden. Der zum 500. Jahrestag der Schlacht errichtete Pavillon mit dem darin ausgestellten Modell soll nun dazu dienen, sachliche Informationen zum Hergang und zur Bedeutung der Schlacht zu vermitteln. Es bleibt zu hoffen, dass damit auch das zum Andenken an diese Schlacht errichtete Denkmal aus seinem Dornröschenschlaf erwacht und als das wahrgenommen wird, was es ist:
Ein eigenwillige gestaltetes Denkmal zur Erinnerung an das herausragende Ereignis der Dithmarscher Landesgeschichte, das nur vor dem Hintergrund seiner Entstehungszeit adäquat betrachtet und eingeordnet werden kann.
Geest – Steilhangküste (ehemalige Nordseeküste) Übergang zur Marsch
Warf - aus dem Wattenmeer aufgeworfener Erdhügel zur Errichtung von Anwesen
|